Zu www.enercity.de BusinessNews 02/17 - Wissen für Entscheider

Betreff: Mit individuellen Energiepaketen sparen
Um die Energiekosten zu minimieren, gibt es für Unternehmen häufig noch unentdecktes Einsparpotenzial. Individuelle, zukunftsfähige Energieversorgungskonzepte leisten hier einen erheblichen Beitrag. Ein für viele große Organisationen immer interessanter werdendes Modell bietet die flexible Beschaffung über den Termin- und Spotmarkt.

Kostensicht

Maßgeschneiderte Lösungen
Individuelle Beschaffung durch Analyse des Energiebedarfs
Individuelle Beschaffung durch Analyse des Energiebedarfs
Individuelle Modelle zur Energiebeschaffung liegen bei großen Unternehmen und Einrichtungen derzeit stark im Trend. Auf Basis einer genauen Analyse des Energie­bedarfs wird hierfür ein Konzept mit dem Energie­versorger über den künftigen Beschaffungsvorgang abgestimmt.

Überwiegend setzen Firmen und Organisationen dabei auf ein Modell, bei dem eine Teil­menge über den Terminmarkt und eine Teilmenge über den Spotmarkt bezogen wird. Die Vorteile: eine preisbasierte Risikostreuung sowie eine optimal auf den Kundenbedarf abge­stimmte Mengenflexibilität. enercity bietet dieses Modell zudem als Ökostrom-Variante in allen Qualitäten an.

Terminmarkt- und Spotmarktbeschaffung

Ein Beispiel für dieses Modell findet am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Anwendung: Das KIT schrieb europaweit den Erdgasbedarf in Höhe von über 200 Gigawattstunden (GWh), das entspricht 200.000.000 Kilowattstunden (kWh), als Basis für ein individuelles Beschaff­ungskonzept aus. Bereits im Vorfeld entschied sich das KIT für eine Variante aus Termin- und Spotmarktbeschaffung. Dabei wird die Terminmarktmenge in Handelsprodukte (Jahres-, Quartals- und/oder Monatsprodukte) aufgegliedert. Die Produkte werden beim Energiehandel zum Livepreis bestellt. Durch die strukturierte Beschaffung und die Verteilung auf mehrere Einkaufszeitpunkte wird das Preisrisiko reduziert.

enercity-Kunden können die aktive Bestellung per Händlertelefon mit einem direkten Markt­zugang über den Energiehandel selbst vornehmen. Oder sich wie das KIT für eine automa­tisierte Beschaffung über einen festgelegten technischen Indikator entscheiden. Die verblei­bende, nicht über den Terminmarkt kommende Menge wird dann nach definierten Regeln über den Spotmarkt hinzugekauft – oder aber verkauft, wenn eine überschüssige Terminmarktmenge vorhanden ist.

Sinnvoll ab 30.000.000 kWh Energiebedarf

Je nach Beschaffungswunsch ist bei der Termin- und Spotmarktbeschaffung ein gewisser Aufwand seitens der Kunden einzukalkulieren. Insofern ist hier ein passendes Kosten-Nutzen-Verhältnis entscheidend. Der Energieanteil für die Institution oder das Unternehmen sollte deshalb eine relevante Kostenposition darstellen. In der Regel entscheiden sich Kunden ab einem Energiebedarf von mehr als 30 GWh (30.000.000 kWh) für eine flexible Beschaff­ung über den Termin- und den Spotmarkt. Das ist sinnvoll, weil sich das Unternehmen oder die Einrichtung aufgrund der hohen Kostenrelevanz ohnehin täglich mit der Entwicklung der Energiepreise und der Mengenbestellung auseinandersetzt.

Um den Aufwand zu reduzieren, informiert enercity die Kunden durch einen täglichen Börsen-Newsletter über die Energiepreisentwicklung. Darüber hinaus führt enercity ein regelmäßiges Beschaffungscontrolling durch, um Fehlbestellungen zu vermeiden.

Weitere Informationen

Bei Interesse an einer individuellen Lösung von enercity für Ihr Unter­nehmen oder Ihre Einrichtung können Sie sich gern an Ihren persönlichen Ansprechpartner wenden.


Uebersicht

Optimale Auslastung im Tranchenmodell
Individuelle Beschaffung auf Basis eines Tranchenmodells mit einem Termin- und einem Spotmarktanteil: Für jedes in Teiltranchen unterteilte Quartal wird eine Terminmarktmenge festgelegt. Um eine optimale Auslastung zu erzielen, werden fehlende Mengen am Spot­markt fixiert und überschüssige Terminmarktmengen verkauft.

Exemplarische Beschaffung für ein Lieferjahr

Exemplarische Beschaffung für ein Lieferjahr


Expertensicht

Individuelle Beschaffung wird wichtiger
Im Interview: Dipl.-Ing. Mustafa Sahin
Im Interview: Dipl.-Ing. Mustafa Sahin
Dipl.-Ing. Mustafa Sahin ist Geschäftsführer des unab­hängigen Energieberatungsunternehmens Ayyo Energie GmbH & Co. KG. Er berät deutschland- und europaweit Unternehmen zum Thema „Individuelle Beschaffungsmodelle“. Worauf es dabei ankommt, erklärt er im Interview.

Was sind die ausschlaggebenden Gründe dafür, dass sich Ihre Kunden überhaupt für ein neues Energiebeschaffungsmodell entscheiden?

Unter dem Einfluss der stark volatilen Energiemärkte ist die Entscheidungsfindung hinsicht­lich des richtigen Einkaufszeitpunkts eine „Kunst“. Zum einen gibt es Unternehmen, die eher konservativ sind und Budgetsicherheit brauchen. Zum anderen gibt es Unternehmen, die nicht mehr alles auf eine Karte setzen und ihr Risiko streuen möchten. Im Fokus der Be­trachtung eines geeigneten Modells spielen mehrere Faktoren eine bedeutende Rolle:

  • Die unternehmensspezifische Situation und Einschätzung der Bedarfsprognose
  • Die Risikobereitschaft des Unternehmens sowie schnelle Reaktionskompetenz bei der Absicherung von Preisen beziehungsweise Verträgen
  • Energiepreise, die Veränderungen in der globalen Marktsituation im lang- und mittelfristigen Zeithorizont unterliegen
  • Die kurzfristige Eindeckung von Energie nimmt an Bedeutung zu, insbesondere im Strombereich
  • Strom ist in den letzten Jahren zunehmend zu einem Wetterprodukt geworden

Worauf kommt es Ihren Kunden in der Regel an, wenn sie sich zum Thema „Individuelle Beschaffungsmodelle“ beraten lassen?

Bei den meisten Kunden liegt natürlich der Preis im Vordergrund. Für uns als Berater ist es jedoch enorm wichtig, dass sich der Kunde für einen seriösen Lieferanten entscheidet, der die Energieversorgung zu jeder Zeit zusichern kann.

Daneben gibt es Unternehmen, die nicht auf jeden Euro Ersparnis schauen. Sie achten viel­mehr auf den Zusatznutzen und die Serviceleistungen, die ihnen die Lieferanten vertrag­lich offerieren. Oft ist es so, dass bei der Ausschreibung zwischen den Angeboten gleiche Preise herrschen. Da wir als unabhängiges Energieberatungsunternehmen mit sämtlichen Liefe­ranten Erfahrungen gesammelt haben, können wir unseren Kunden bei der Entscheidungs­findung eine große Hilfestellung bieten.

Weitere Aspekte sind unter anderem: ein webbasierter Zugriff, mit dem der Lieferant dem Kunden kostenlos Lastgangdaten des Standortes online zur Verfügung stellt, die Berück­sichtigung der Ausgleichsenergie für den Bilanzkreis und die Bündelvergabe aller Liefer­stellen, wenn mehrere Werke bestehen.

Werden die Energiepreise deutlich steigen oder sich weiterhin auf dem unteren Niveau entwickeln, wie es derzeit der Fall ist?

Solange der Gesetzgeber die aktuellen und zum Teil seit über 15 Jahren bestehenden Rahmenbedingungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und beim Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWK), also die Vorrangeinspeisung und die Festvergütung der Einspeise­mengen je nach Anlagetyp von bis zu 20 Jahren, nicht verändert, erwarten wir mittelfristig eher fallende Strombeschaffungspreise. Dagegen glauben wir bei den Endpreisen des Stromkunden – inklusive Abgaben, Steuern und Netznutzung – eher an eine Seitwärtsbewegung mit Tendenz steigend.

Die Preise in Deutschland werden sich an das aktuelle Preisniveau in Skandinavien annähern. Bei Terminmarktpreisen für die Jahresbelieferung 2018 und folgend sind die Preise in Skandi­navien im Durchschnitt 5 Euro pro MWh günstiger. Durch die weitere Zunahme Erneuerbarer Energien werden die Preise in Deutschland weiterhin witterungsabhängig bleiben. Dagegen werden die Weltmarktpreise für Steinkohle, Erdgas und Rohöl weniger Einfluss auf die nach­fragebedingte Stromerzeugung nehmen. Dadurch verringert sich die Lieferabhängigkeit Deutschlands aus krisenbehafteten Ländern. Die konventionellen, systemrelevanten Kraft­werke fungieren immer mehr als Reservekraftwerke. Die Kosten dieser Kraftwerke werden über die Netznutzung abgewickelt, sodass diese dem Stromhandel an den Börsen entzogen sind.

Bei den Gaspreisen erwarten wir eher eine Seitwärtsbewegung mit fallender Tendenz. Der Grund ist, dass die Zunahme von Flüssiggas aus Übersee den Wettbewerb zu Lieferungen aus Russland und Norwegen verschärfen wird. Es entsteht somit ein Überangebot bei gleich­bleibender Nachfrage.

Haben Sie noch einen unabhängigen Expertentipp hinsichtlich der Energiebeschaffung?

Der Übergang von der klassischen Festpreisfixierung zu flexibleren Vertragsmodellen bis hin zu einem Portfoliomanagement ist sinnvoll und in diesen Zeiten angebracht. Jedoch sollte vor der Wahl eines solchen Modells jeder Kunde individuell in seiner Unternehmensphilosophie durchleuchtet werden, ob er in der Lage ist, dieses Risiko einzugehen.

Bei einem dynamischen Beschaffungsmodell ist das Wichtigste, dass der Kunde flexibel und schnell auf Preisänderungen an der Börse und auf Marktveränderungen reagieren kann. Dies kann erfolgreich umgesetzt werden, wenn beim Kunden die Entscheidungsfindung schnell und ohne lange Hierarchieprozesse abläuft.

Grundsätzlich wird das dynamische Modell für Kunden wichtiger: Die Energielieferanten werden bei Angebotserstellungen mit klassischer Festpreisfixierung jede Unbekannte wie Ausgleichs- und Regelenergie sowie das Risiko der Mengenabweichungen (Toleranzband) überhöht einpreisen.


Unsere-Sicht

Mehr Individualität schaffen
Gute Gründe für ein individuelles Beschaffungsmodell
Gute Gründe für ein individuelles Beschaffungsmodell
enercity unterstützt Kunden mit tragfähigen Lösun­gen für unterschiedlichste Anforderungs­profile. Für ein individuelles Beschaffungsmodell sprechen aus Sicht von enercity vor allem drei Argumente.

Risikostreuung

Bei einem Festpreis hat der Kunde das volle Stichtagsrisiko: Er kann zu einem extrem teuren oder zu einem günstigen Zeitpunkt kaufen. Bei einem individuellen Beschaffungskonzept hat der Kunde mehrere Einkaufszeitpunkte und streut damit das preisliche Risiko – ähnlich wie bei einem Fonds für die Geldanlage.

Flexibilität

Der Kunde erhält eine auf seinen Bedarf zugeschnittene Mengenflexibilität. Auch bereits beschaffte Mengen können wieder defixiert werden, sodass auf Bedarfsschwankungen flexibel reagiert werden kann.

Nah dran

enercity bietet Kunden die Möglichkeit, ein maßgeschneidertes Beschaffungsmodell aufzu­bauen. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen enercity und dem Kunden werden Beschaffungs- und Prognoserisiken vermieden.


Steckbrief

Im Interview: Theresa Schlegel vom KIT
Im Interview: Theresa Schlegel vom KIT
Bei der europaweiten Ausschreibung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) setzte sich enercity mit einer flexiblen Termin- und Spotmarktbeschaffung durch. Weshalb sich das KIT bereits im Vorfeld für diese Variante entschied, erklärt Theresa Schlegel, Abtei­lungsleiterin der Ver- und Entsorgungsanlagen des Facility Managements vom KIT.

Weshalb war ein flexibles Beschaffungsmodell bei der Ausschreibung wichtig?

Bis 2016 hatten wir einen Erdgasverbrauch von etwa 117 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr mit einer geringen Abweichungstoleranz. Unser Erdgasbezug geht zum Großteil in die Wä­rmeversorgung und zum anderen Teil in die Wissenschaft beziehungsweise in die For­schungsanlagen, die Erdgas beziehen. Unsere Forschungseinrichtungen haben wir zu Beginn des Jahres erweitert. Insofern war ein erhöhter Verbrauch abzusehen.

Mit der europaweiten Ausschreibung für den Erdgasbedarf in Höhe von über 200 GWh (200.000.000 kWh) für die Standorte Campus Nord und Campus Ost strebten wir ein flex­ibles Beschaffungsmodell über Termin- und Spotmarkt an. Die Idee dahinter: Es gibt ein Grundband, das die Heizlast widerspiegelt. Wir haben am Campus Nord ein Heizkraftwerk auf dem Gelände, das mit Erdgas betrieben wird und die Wärmeerzeugung am Campus realisiert. Diese Menge kaufen wir über den Terminmarkt ein. Alle Mehr- und Mindermengen, die sich aufgrund der erweiterten Forschungsbetriebe oder aus unterschiedlichen Jahreszeiten und der Temperaturabhängigkeit ergeben, wollten wir über den Spotmarkt beschaffen.

Warum kristallisierte sich enercity als bester Anbieter heraus?

Als eine Einrichtung der öffentlichen Hand müssen wir ausschreiben und bei einer so großen Menge ist eine europaweite Ausschreibung erforderlich. Unsere Anforderung war eine erhöhte Flexibilität, die enercity erfüllte. Wir wussten anfangs nicht genau, wie sich unsere Erdgas-Anforderungen tatsächlich entwickeln würden. Darüber hinaus war das Angebot von enercity am wirtschaftlichsten für uns.

Welchen Aufwand trägt das KIT bei dem flexiblen Modell?

Wir haben eine Dienstleistung ausgeschrieben, das Gas für uns zu beschaffen. Wer das über den Spotmarkt selbst in die Hand nimmt, muss zum einen über entsprechende Kenntnisse und Erfahrungswerte an der Börse verfügen, die wir bis dato nicht haben. Die Restmenge über den Spotmarkt wird von enercity abhängig vom täglichen Bedarf beschafft. Wir über­nehmen die Koordination und Prognosemeldungen als Grundlage für die Beschaffung. Die gesamte Termin- und Spotmarktbeschaffung läuft über enercity. Es ist ein Komplettpaket.

Welche Erfahrungen haben Sie bislang mit dem Modell?

Die Lieferung durch enercity begann zum 1. Januar 2017. Wir haben keine langfristigen Erfahrungswerte, aber bisher sind wir sehr zufrieden: zum einen mit dem Preis, den wir erzielen und der abgerechnet wird. Zum anderen in puncto Zusammenarbeit und Kommuni­kation mit enercity. Wir haben dort zwei Ansprechpartner, die uns bei Fragen direkt zur Verfügung stehen.

Über das KIT: Das Karlsruher Institut für Technologie – Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft – verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Inno­vation zu einer Mission. Mit rund 9.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25.000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

Stadtwerke Hannover AG
vertreten durch ihren Vorstand

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Prof. Dr. Marc Hansmann,
Kai-Uwe Weitz

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